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Pressefotos

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Auszug:

»Vom Herzensprojekt zur Romanveröffentlichung – eine Entwicklungsgeschichte«

 

Dieser Artikel erschien 2017 anlässlich der Veröffentlichung von "Die silberne Spieldose" für die Federwelt (126, 05-2017). Den ganzen Artikel können Sie hier lesen:

Federwelt

 

Warum ausgerechnet die jüdische Geschichte?

Die Frage stelle ich mir auch heute noch. Ich glaube ja, wir Autoren haben alle unsere bestimmten Themen, die uns am Herzen liegen. Manchmal schwingen sie nur nebulös in unseren Geschichten mit, manchmal sprechen wir sie offen an. Oftmals sind sie uns lange Zeit überhaupt nicht bewusst oder wir schieben sie beiseite. So war es bei mir.

Meine erste Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte geht in die Zeit zurück, als ich ungefähr sechs oder sieben Jahre alt war. Meine Familie sah sich einen Fernsehfilm an. Ein Mädchen in meinem Alter hielt die Hand seiner Mutter umklammert. Sie standen in einer langen Schlange Wartender vor einem schmucklosen Gebäude, aus dem niemand wieder herauskam. Sie waren nackt und schämten sich ihrer Blöße. Meine Eltern erklärten mir mit kindgerechten Worten, sie seien Juden, die man im letzten Weltkrieg umgebracht habe. Ich wusste nichts von dem fremden Glauben, entsinne mich aber, dass ich aus dem Wohnzimmer lief, weil ich das Bild nicht ertrug. Ich weinte und schwor mir, nie wieder so einen doofen Film anzusehen. Warum musste das Mädchen sterben und ich darf leben, fragte ich mich. Hat sie etwas Schlimmes getan? Das Übelste, das ich mir damals vorstellen konnte, war beim Bäcker einen Lutscher zu klauen oder von jemandem beim Schwindeln erwischt zu werden. Was konnte ein Kind schon anstellen, dass es den Tod verdient? Aber so sehr mich die Filmszene auch beschäftigte, meine bevorstehende Einschulung war letztlich spannender und aufregender, und meine Fragen bald vergessen.

Wenn uns das Schicksal auf die Schulter klopft

Einige Jahre später im Konfirmandenunterricht wurde von den Juden berichtet, die unter Moses‘ Führung aus Ägypten ausgezogen waren. Ich war verwirrt, hatte ich doch regelmäßig von den Prozessen gehört, in denen sich die ehemaligen Drahtzieher der Judenvernichtung im Nationalsozialismus verantworten mussten. Obwohl ich nie gläubiger als die meisten von uns war, verstand ich das nicht. Die Bibel berichtet von dem Juden Jesus. Der christliche und der jüdische Glaube haben also denselben Ursprung. Warum bekämpfen die Christen sie denn, wenn wir doch eigentlich zusammengehören? Meine Eltern konnten mir das auch nicht befriedigend beantworten.

Je älter ich wurde, umso vehementer schob ich das Thema beiseite. Was hatte ich überhaupt mit der Sache zu tun? Ich konnte doch nichts dafür, schließlich geschah alles lange vor meiner Geburt. Heute weiß ich, mein Interesse war und ist exemplarisch für Menschen, die aufgrund ihrer Andersartigkeit gemieden oder verfolgt wurden.

Trotzdem schob sich das Bild des Mädchens mit seiner Mutter hartnäckig in mein Gedächtnis zurück. Als im Geschichtsunterricht über die Nazizeit gesprochen wurde, hörte ich kaum zu.

Bald darauf kam ich als Austauschschülerin nach England. An meinem ersten Schultag dort wurde ich von einem Mitschüler mit dem Hitlergruß empfangen. Können Sie sich mein Entsetzen vorstellen? Es genügte, eine Deutsche zu sein, um abgestempelt zu werden. Und plötzlich empfand ich für einen winzigen Augenblick dasselbe wie die Juden am Anfang ihrer Verfolgung. Ich erkannte, der Hass auf sie war noch immer allgegenwärtig.

Es lag nahe, meine Großeltern über die Zeit auszufragen. Sie reagierten ungewöhnlich einsilbig.

»Die mochte man nicht«, sagte mein Opa. »Die waren irgendwie komisch.«

Oma nickte. »Die Deutschen waren aber auch neidisch auf die Juden, weil sie zu erfolgreich und einflussreich wurden.«

Stille.

»Ihr müsst doch bemerkt haben, was man ihnen angetan hat«, hakte ich nach.

»Ach, wir kannten kaum Juden. Wir dachten, man bringt sie in Arbeitslager.«

Ich war fassungslos. Wahrscheinlich hat sich das die Generation der Zeitzeugen so lange eingeredet, bis sie es selbst glaubte. Die Realität war offenbar zu grausam, um sich ihr zu stellen.

 

[...]