Hintergrundinformationen zur Familiensaga »Die silberne Spieldose«

 

Ihr Roman spielt zwischen 1914 und 1963, also zwischen beiden Weltkriegen. Damit haben Sie sich eine ungemein dramatische Zeit gewählt. Warum haben Sie es sich so schwer gemacht?

Mina Baites: Wenn mich ein Thema oder eine Geschichte fesselt, kann ich nicht anders. Ich muss sie schreiben. Dann schaue ich nicht darauf, ob ich es mir gerade leicht mache oder nicht. Wobei ich zugeben muss, ich neige tatsächlich dazu, mir harte Brocken auszusuchen. Ich liebe einfach die Herausforderung.  

 

Jewish refugees from Czechoslovakia being marched away by British police at Croydon airport in March 1939.
Eine jüdische Familie bei der Flucht nach England, 1939. Via Wikipedia Commons.

 

Wer den Klappentext Ihres Romans liest, gewinnt den Eindruck, der heimliche Hauptprotagonist sei – sinnbildlich gesprochen – die silberne Spieldose. Ist das richtig, und wenn ja, können Sie uns verraten, warum Sie Ihr Werk auf diese Weise strukturiert haben?

Mina Baites: Das ist richtig. Ich fand es reizvoll, die Geschichte einmal anders aufzubauen. Deshalb habe ich meinen Roman in vier Teile gegliedert, die jeweils als Überschrift den Namen ihres jeweiligen Besitzers tragen. Der Leser weiß nicht nur zu jeder Zeit, wo sich die Spieldose gerade befindet; diese Besitzer verbinden auch unterschiedliche Dinge mit ihr. Auf diese Weise beeinflusst das Schmuckstück die Handlungen und Entscheidungen ihrer Besitzer und wird im Laufe der Jahrzehnte zu einem kostbaren Symbol für die Familie Blumenthal. Ich mag den Aufbau sehr, und hoffe, dass er meinen Lesern auch gefallen wird.

 

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Wenn Sie einen neuen Roman planen, woher nehmen Sie dann Ihre Ideen?

Mina Baites: Ich habe bei mir beobachtet, dass es fast immer das Thema und der Grundkonflikt sind, die gleich zu Anfang feststehen. Meist werden es Themen, die mich selbst beschäftigen. Das ist mir nicht immer sofort bewusst, aber letztlich läuft es darauf hinaus.

Als Autorin kann ich am besten mit einem Stoff arbeiten, der mich berührt, packt und nicht mehr loslässt.

Die Geschichte »Die silberne Spieldose« schreiben zu dürfen, bedeutet für mich die Erfüllung eines Herzenswunsches, da sie schon seit vielen Jahren in meinem Kopf herumgeistert.

 

Über die Judenverfolgung wurde viel berichtet und geschrieben. Warum haben Sie es dennoch als Hauptthema Ihres neuen Romans ausgesucht?

Mina Baites: Stimmt, noch heute kann man Dokumentationen im Fernsehen über unsere jüngste Vergangenheit ansehen. Das ist es aber nicht, was mir vorschwebte. Ich wollte weder Effekthascherei betreiben noch literweise Blut fließen lassen.

Stattdessen war es mir ein besonderes Anliegen, eine fiktive Familie über den Zeitraum von circa fünfzig Jahren zu begleiten.

Ich wollte ihre Gedanken und Gefühle aus direkter Nähe schildern, ihren Kampf um Anerkennung und schließlich den ums nackte Überleben. 

 

Warum mussten Sie diesen Roman unbedingt schreiben?

Mina Baites: Weil es mir seit langem ein Herzensbedürfnis war. Ich fühle mich den Juden irgendwie verbunden, möchte die Distanz überwinden, die wir allgemein zu Andersgläubigen aufbauen. Vielleicht weil ich selbst jüdische, wenn auch unbekannte Wurzeln habe. 

Wollen Sie wissen, wen die silberne Spieldose zwischen 1914 und 1963 begleitet hat?  

 

1914. Johann Blumenthal

Der junge Familienvater und Silberschmied im Familienunternehmen Blumenthal & Söhne ist der Künstler, der die silberne Spieldose erschafft. Aber dieses Schmuckstück wird nicht im Schaufenster des Juweliergeschäftes in Altona ausgestellt werden … 

 

English: This image shows a World War I German gas attack on the eastern front, and was photographed from the air by a Russian airman. The image was titled, "German Frightfulness from the Air", 1916
Im Ersten Weltkrieg: Auch Johann Blumenthal wird eingezogen. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-F0313-0208-007 / CC-BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons. Deutsche Soldaten versprühen künstlichen Nebel, ein sogenannter Gasangriff.

 

1914-1935. Besitzer der Spieldose: Paul Blumenthal

Der vierjährige Sohn von Johann hütet die Spieldose wie seinen größten Schatz. Über viele Jahre hinweg begleitet sie den jungen Goldschmied, der schließlich die Leitung des Familienbetriebes übernimmt. 

Das Erbstück gibt ihm Halt und Kraft, während die Ressentiments und die Bedrohungen gegen die Juden zunehmen. 

1935-1940. Besitzerin der Spieldose: Margarethe Blumenthal

Margarethe ist wie ihr Vater Paul vier Jahre alt, als er ihr die silberne Spieldose schenkt, die sie abgöttisch liebt. Da sie ihm versprochen hat, gut auf das Schmuckstück achtzugeben, lässt sie es nicht aus den Augen.

Bis zu jenem Schreckmoment, da ihr Leben sowie das ihrer Familie nur noch an einem seidenen Faden zu hängen scheint …  

Juden Kaufboykott in Hamburg, Roman Die Silberne Spieldose von Mina Baites

Boykott jüdischer Läden am 1. April 1933 in der Grindelallee 79 in Hamburg, organisiert durch die NSDAP. Bild: Wikipedia Commons. 

Den Boykott jüdischer Geschäfte, wie hier in Hamburg, erlebt die jüdische Familie Blumenthal am eigenen Leib. Nach 1933 verlieren sie ihre Juweliergeschäfte in Lübeck und Altona, ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihre Heimat. Sie wollen Deutschland verlassen und nach Südafrika fliehen. Was der Familie auf der Flucht widerfährt, lesen Sie im Roman. 

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